Blockchain – von der Technologie zum Use-Case

Die Blockchain-Technologie hat grosses Potenzial – das haben wir im letzten Beitrag zu dem Thema bereits gesehen. Bis zu einem erfolgreichen Use-Case ist es allerdings ein weiter Weg. Letztlich ist das vor allem auch eine Frage von Nutzerakzeptanz und Kosteneffizienz. Ein Blick auf das Projekt BAZO der Aduno Gruppe verdeutlicht dies.

Anfang 2017 kam uns erstmals die Idee, selber eine Blockchain zu entwickeln. Als Finanzdienstleister im Payment-Bereich lag es auf der Hand, dass die neue Technologie für die Aduno Gruppe von Interesse ist. Schon früh entschieden wir uns, das Projekt gemeinsam mit einem Partner durchzuführen. Diesen fanden wir in der Universität Zürich – eine klassische Win-Win Situation: Unser Hauptziel war es, Erkenntnisse zum Aufbau und Betrieb einer Blockchain zu gewinnen. Und die teilnehmenden Studenten konnten im Rahmen des Projekts ihre Bachelor-Arbeit über Konzeption und technische Ausgestaltung einer Blockchain schreiben.

Von der Blockchain zur Wallet App

In Zusammenarbeit mit den Studenten der UZH haben wir dann in einem ersten Schritt innerhalb von rund sechs Monaten ein komplett neues, praxistaugliches Blockchain-Protokoll auf Open-Source-Basis entwickelt. Dabei wurde unter anderem definiert, wer die Teilnehmer sind und wie die Transaktionen innerhalb des Systems validiert werden (Stichwort «Mining»). Seit September 2017 ist BAZO, wie die Blockchain heisst, voll einsatzbereit, 2018 wurde sie auf die Version 2.0 erweitert.

So weit, so gut. Doch um den Nutzen der neuen Technologie erlebbar zu machen, mussten wir unsere Blockchain in eine alltägliche Anwendung überführen. In einem zweiten Schritt entschlossen wir uns deshalb, eine App auf Basis des BAZO-Protokolls zu entwickeln. Die Wahl fiel auf eine Wallet App für bargeldloses Bezahlen – mit Blick auf das Business der Aduno Gruppe eine naheliegende Entscheidung. Das Ziel: Testpersonen sollten mit der neuen App in unserem Mitarbeiterrestaurant bargeldlos bezahlen können. Und dafür Punkte aus dem Loyalitätsprogramm der Viseca verwenden.

Erneut haben wir mit den Studenten der Uni Zürich zusammengespannt: Gemeinsam haben wir OySy als «Progressive Web App» (PWA) entwickelt. Der PWA-Standard ermöglicht es uns in absehbarer Zukunft, OySy als plattformunabhängige App zu erstellen, die über die gleichen Funktionen wie native Apps verfügt (Push-Notifications, Zugriff auf die Kamera, etc.). Zudem wurde OySy zwecks Tokenisierung mit unserem CARMA-Backend verbunden. Dies erlaubt es den Teilnehmern, «surprize»-Punkte aus dem Loyalitätsprogramm in OySy-Coins – sogenannte «Perlen» – umzuwandeln.

Über Informationsvermittlung zu Nutzerakzeptanz

Im Rahmen eines BIS'n'Beer stellen Tony und Bedrija BAZO an der FHNW vor (Bild: Aduno Gruppe)

Per Februar 2019 konnten Testpersonen im Mitarbeiterrestaurant Diwali erstmals mit OySy-Coins ihren Kaffee bezahlen. Mit anderen Worten: Der Testballon konnte erfolgreich abgeschlossen werden. Das ganze Projekt hat uns zahlreiche wertvolle Einsichten vermittelt. Wir haben aber auch festgestellt, dass PWAs noch nicht auf allen Plattformen einwandfrei funktionieren. Und der Payment-Prozess ist noch nicht ganz da, wo er sein sollte. In diesen Bereichen sind weitere Optimierungen nötig – auch um einen kosteneffizienten Betrieb zu garantieren.

Vor allem aber haben wir die Erfahrung gemacht, dass der Erfolg einer Blockchain-Anwendung letztlich auch eine Frage der Nutzerakzeptanz ist. Das hat viel mit Wissen und Vertrauen zu tun. Wir haben unser Augenmerk in den vergangenen Monaten deshalb vermehrt auch auf die Informationsvermittlung gelegt. Unter anderem haben wir verschiedene Vorträge zu dem Thema organisiert und unser Projekt verschiedentlich vorgestellt – etwa im Rahmen eines BIS’n’Beer an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten. Zu diesem Zweck wollen wir die Zusammenarbeit mit Hochschulen weiter ausbauen. Zum Beispiel mit dem Sponsern und Begleiten von Masterarbeiten im Rahmen des Studiengangs «MSc Business Information Systems».

Wir sind dank dem Projekt BAZO überzeugt vom Mehrwert einer Blockchain auf Open-Source-Basis. Nun gilt es, diese Überzeugung weiterzuvermitteln, um die Akzeptanz zu steigern. Es liegt noch viel Arbeit vor uns!