Blockchain – auf der Suche nach der Bestimmung?

Bitcoin & Co. sind in aller Munde. Dabei kontrastieren die vielen Fachveranstaltungen mit dem bisher Erreichten: Zwar wurden zahlreiche Projekte gestartet. Auch bei der Aduno Gruppe haben wir mit BAZO erste Erfahrungen mit der Blockchain-Technologie gesammelt. So etwas wie ein Marktführer zeichnet sich bisher aber nicht ab. Was kann man also von der Blockchain erwarten?

Um diese Frage zu beantworten, muss man ein grundlegendes Verständnis für die Technologie haben: Eine Blockchain ist ein öffentlich verteiltes Netzwerk von Datenbanken, an dem jeder Akteur teilnehmen kann. Dabei wird der Zugang zum Netzwerk nicht von einer zentralen Stelle oder einer Gruppe von Teilnehmern kontrolliert. Dateneinträge werden strukturiert in Blöcken abgelegt. Jeder Eintrag enthält eine Zeitangabe und Verweise auf vorangegangenen Transaktionen. Dadurch entsteht jene Kette von Informationsblöcken, die der Blockchain ihren Namen gibt. Da die Einträge aufeinander aufbauen und dezentral bei jedem Teilnehmer gespeichert werden, sind diese stets für alle Teilnehmer einsehbar und können nicht gelöscht oder verändert werden.

Wo macht der Einsatz von Blockchain Sinn?

Gilt als technologisches Wundermittel: die Blockchain (Bild: pexels.com)

Seit einigen Jahren gilt Blockchain als Wundermittel für alle möglichen technologischen Herausforderungen in der Finanzindustrie: Veraltete Backend-Systeme, heterogene Processing-Technologien und Unmengen an Daten sollen dereinst mittels Blockchain schnell, sicher, fehlerfrei und zu tieferen Kosten abgewickelt werden. Wo heute eine Geldüberweisung ins Ausland mindestens zwei Bankverarbeitungstage dauert, würde dieselbe Transaktion in einem dezentralen Netzwerk in Minuten fehlerfrei, verschlüsselt und zu einem Bruchteil der Kosten «end-to-end» abgewickelt. In Japan ist es seit Kurzem zum Beispiel möglich, via Smartphone Geld zu überweisen. In Echtzeit. Gratis. Dank Blockchain.

Und wo es heute Wochen oder Monate dauert, eine Kapitalerhöhung, eine Neuemission von Unternehmensanteilen oder einen Aktientausch vorzunehmen, sollen Blockchain-basierte «Smart Contracts» Abhilfe schaffen. Denn mithilfe von Software werden viele Einzelschritte zwischen den Gegenparteien auf ganz wenige reduziert. Es liegt auf der Hand: Wenn jeder mit einem Rechner an einem System teilnehmen kann, die Regeln in der Software hinterlegt und alle direkt miteinander verknüpft sind, braucht es keine zentralen Stellen mehr für administrative Prozesse. Letztlich könnte die Technologie also überall dort helfen, wo Werte, Rechte, Güter oder Eigentum den Besitzer wechseln. Blockchain ist also «viel mehr als nur Bitcoin & Co.», wie auch aus einem neuen Artikel der Netzwoche hervorgeht.

Wie geht es weiter?

Von weltweit rund 26’000 im Jahr 2016 gestarteten Blockchain-Projekten sind heute noch acht Prozent aktiv (Quelle: Deloitte). Die Fortführungsrate nach erfolgtem Proof-of-Concept liegt laut Gartner in der Finanzindustrie sogar bei nur drei Prozent. Und obschon mittlerweile über 100 Blockchain-Plattformen in Entwicklung sind, ist so etwas wie ein Marktführer bisher nicht in Sicht. Auch fehlt es nach wie vor an objektiven Standards und es gibt grosse Fragezeichen betreffend Datenmanagement. Es liegt also noch viel Arbeit vor uns.

Gemäss dem Gartner Hype-Zyklus durchlaufen neue Technologien drei Phasen: In der ersten Phase – hier befindet sich die Blockchain aktuell – entsteht ein unbegründeter Hype. Auf diesen folgt eine Phase der Desillusionierung bevor die Technologie schliesslich auf dem «Plateau of Productivity» ankommt. Für Blockchain sieht Gartner erst ab ca. 2022 tragfähige Business-Modelle und Services. Gesamthaft soll der Economic Value Added (EVA) zwischen 2027 und 2030 dann jedoch den beachtlichen Wert von über 3'100 Mia. USD erreichen (vgl. Grafik).

Gartner Survey 2017, Befragung von 3'138 Organisationen (Bild: Gartner)

Bei der Aduno Gruppe sind wir für die Entwicklung gewappnet: Mit unseren eigenen Praxisversuchen im Innovation Lab auf Basis der mit Forschungspartnern entwickelten Blockchain-Plattform BAZO haben wir bereits konkrete Schritte unternommen. Damit gehören wir zu jenen acht Prozent, die dabei sind, mit Blockchain unter reellen Bedingungen zu experimentieren. Testpersonen konnten mit OySy, einer Wallet App auf der Basis von BAZO, bereits erste Zahlungen in unserem Personalrestaurant vornehmen. Wir bleiben am Ball und gehen in einem künftigen Blog noch detaillierter auf unsere Projekte ein!